Litfin Stiftung – Impulse für Göttingen
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Initiativpreis, Bildung 20. Aug 2026

Wirtschaft verstehen lernen

Wirtschaft verstehen lernen
Preisverleihung Initiativpreis 2026 · Foto: IHK Hannover, Geschäftsstelle Göttingen

Die Susanne und Gerd Litfin Stiftung hat den Initiativpreis 2026 an den Hannoveraner Wirtschaftsanwalt Ulrich Herfurth verliehen. Ausgezeichnet wird er für die Bildungsinitiative „business4school“, die Jugendlichen vermittelt, was ihnen die Schule in aller Regel nicht beibringt: ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Die Übergabe fand am Donnerstag, dem 20. August, im Rahmen des Sommerempfangs der südniedersächsischen Wirtschaft statt.

Mit Ulrich Herfurth ehrt die Stiftung den zehnten Preisträger im neunten Jahr der Preisverleihung. Entscheidendes Kriterium für die Auswahl sind neu ins Leben gerufene Initiativen mit nachhaltiger Wirkung und Leuchtturmcharakter im südniedersächsischen Raum – Vorhaben also, die nicht nur einmalig wirken, sondern dauerhaft etwas verändern.

Der Ausgangspunkt der ausgezeichneten Initiative ist eine Lücke im Bildungssystem. Wenn junge Menschen heute die Schule verlassen, haben sie Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und eine mehr oder minder breite Grundbildung etwa in Kunst, Musik, Literatur und den Naturwissenschaften erworben. Was ihnen in aller Regel nicht vermittelt wurde, ist eine solide Basis, um wirtschaftliche Themen und Zusammenhänge zu verstehen. Schlagen sie anschließend einen Ausbildungsweg ein, der das nicht beinhaltet, ändert sich daran nichts mehr. Dabei ist gerade dieses Verständnis von erheblichem praktischem Wert: Es hilft, berufliche Risiken zu minimieren, fundierte Alltagsentscheidungen zu treffen und politische Debatten einzuordnen.

Ulrich Herfurth hat diese Lücke erkannt und 2014 gemeinsam mit dem Lions Club Göttingen den Grundstein für „business4school“ gelegt. Obwohl er als Anwalt für Wirtschaftsrecht mit eigener Kanzlei bereits ausgelastet ist, entwickelte er zusammen mit Gleichgesinnten ein außerschulisches Bildungskonzept, das Schule, Wissenschaft und Wirtschaft miteinander verknüpft – und das er, wie alle seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter, ehrenamtlich betreibt.

Das Programm umfasst vier Module: „Wirtschaft als Verbraucher“, „Wirtschaft im Unternehmen“, „Wirtschaft in Staat und Gesellschaft“ sowie „Wirtschaft global“. In den ersten zehn Jahren wurden mehr als 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diese Themen herangeführt, inzwischen an fünf Standorten in Niedersachsen – neben dem Ursprungsort Göttingen auch in Braunschweig, Hannover, Hildesheim und im Weserbergland. Pro Semester finden fünf bis sechs Veranstaltungen statt, im Anschluss erhalten die Jugendlichen ein Zertifikat, das bei Bewerbungen durchaus Anerkennung findet. Teilnehmergebühren werden nicht erhoben; die Veranstaltungen stehen interessierten Schülerinnen und Schülern der Stufen 10 bis 12 offen.

Ergänzt wird das Angebot durch das BusinessCollege, einen gemeinsamen Zusatzkurs für Gymnasien und Gesamtschulen. Sein Curriculum erstreckt sich über vier Semester und widmet sich mit Vorlesungen zu „Digitale Wirtschaft gestalten“, „Digitalisierung im Unternehmen“ und „Medien und Wirtschaft“ schwerpunktmäßig der Digitalisierung. Hinzu kommen unter anderem Start-up-Workshops, Exkursionen zu Unternehmen sowie Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung.

„‚business4school‘ ist nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern ein Leuchtturm in der Bildungslandschaft“, würdigte Stiftungsgründer Prof. Dr. Gerd Litfin die Initiative in seiner Laudatio. Herfurth bringe dafür Fachkompetenz, viel Kraft und viel Zeit ein – und dies ehrenamtlich, ebenso wie alle seine Mitstreiter. Der Dank der Stiftung gelte deshalb ausdrücklich auch dem gesamten Netzwerk hinter dem Projekt.

Der Initiativpreis besteht aus zwei Teilen. Zum einen erhält der Preisträger die Bronzefigur „Weitblicker“ des Künstlers Oliver Pohl – eine Skulptur, die, so Litfin in seiner Laudatio, weit in die Zukunft schaue und dabei mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe. Zum anderen ist der Preis mit 5.000 Euro dotiert, die unmittelbar dem Projekt „business4school“ zugutekommen.

Die Susanne und Gerd Litfin Stiftung unterstützt seit rund zwanzig Jahren innovative und nachhaltige Ideen und Projekte in der Region und setzt damit Impulse für Göttingen. Knapp 200 Vorhaben hat sie bislang mit einer Gesamtsumme von rund 820.000 Euro gefördert. Seit 2017 stellt sie zusätzlich jedes Jahr eine Persönlichkeit in den Fokus, die durch ehrenamtliches und persönliches Engagement Göttingen und die südniedersächsische Region sichtbar positiv verändert hat. Vergeben wird der Preis traditionell im Rahmen des Sommerempfangs – ein Umfeld, für das die Stiftung der südniedersächsischen Wirtschaft, der IHK, dem AGV und den Kreishandwerkerschaften ausdrücklich dankt.